Freitag, 15. Januar 2021

Schienen

von Philipp Noever (2020)

In der Abendsonne glänzen die Schienen des Bahnhofs
Starr liegen sie dort Jahr für Jahr
Ob Winter, ob Sommer
An ihnen klebt der Staub von Hoffnung und Träumen
Von Prüfungsangst und Trennungsschmerz
Von Erwartung und Enttäuschung
Und langsam senkt sich die Sonne über sie
Und wenn es wieder hell wird, tragen sie sie erneut: Die Laster der Menschen

Freitag, 17. Januar 2020

Das Borderline-Mädchen

von Philipp Noever (2019)
 
Dunkelheit schrie aus der bodenlosen Tiefe ihrer Augen

Sehnsucht und Schmerz lieferten sich einen erbitterten Kampf
 
Und warfen ihre Seele hin und her zwischen Licht und Dunkelheit
 
Der hellste Lichtstrahl vermochte es nicht, ihr Herz aufzutauen
 
Die dunkelste Nacht vermochte es nicht, ihre Liebe zu ersticken
 
Und so befand sie sich auf der Grenze zwischen Licht und Dunkelheit
 
Und sehnte sich nach Nähe und Geborgenheit, damit sie beides zerstören konnte

Freitag, 27. Dezember 2019

Der erste warme Tag

von Philipp Noever (2019)

Die Sonne geht auf
Der Nebel liegt noch über den Dächern
 
Die Menschen huschen geschäftig hin und her
zwischen Bäckerei und Straßenbahn
 
In der Luft liegt ein Duft nach Kaffee und Erwartung
Die ersten Strahlen der Frühlingssonne erwärmen den Asphalt
 
Die Luft flimmert im Esprit des Aufbruchs
Das Abenteuer steht bevor, der Frühling naht.

Die Sonne geht unter
Dunkelheit senkt sich über die Stadt
 
Die Menschen ziehen sich zurück in ihre Wohnungen
Sie öffnen ihre Fenster und lassen die Abendluft herein
 
Der erste warme Tag ist vorbei
Die Luft flimmert im Schein der Straßenlaternen
 
Der Esprit des Aufbruchs ist fast greifbar
Denn das Abenteuer steht bevor, der Frühling naht.

Donnerstag, 26. Dezember 2019

Des Tages Tod

von Philipp Noever (2017)

Und hier am Waldesrande
sitz ich allein mit mir
 
Ich höre wohl die Winde
Und vielerlei Getier
 
Ich schaue in die Dämmrung
Und frage mich erneut
 
Was ist der Sinn dies' Ganzen?
Gehts doch nur um die Freud'?
 
So schau ich nun gen Westen
Es zieht schon auf der Mond
 
Lässt Gräser silbrig glänzen
und ist des Tages Tod